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Smart Glass in der Verpackungsindustrie

emkon. SmartGlass Technologien

Geschäftsführer Andreas Dittrich im Interview: SMART GLASS Technologien

Wo die großen Vorteile des Einsatzes unserer SmartGlass Technologien liegen – speziell in der Verpackungsindustrie, aber auch ganz generell – dazu äußert sich emkon. Geschäftsführer Andreas Dittrich im Interview. Erfahren Sie alles über die konkreten Verbesserungspotenziale, aber auch über die Herausforderungen dieser Technologie.

Herr Dittrich, die Firma Corning präsentierte in seinem vielgeklickten (26 Millionen Aufrufe auf youtube) Werbevideo "A Day made of Glass" schon im Jahr 2011 eine faszinierende Zukunftsvision vom allgegenwärtigen Touch Display. Beeindruckend sind die Ansätze in den Bereichen Alltag, Bildung, Business, Medizin ... Wie schätzen Sie, aus heutiger Sicht – 6 Jahre später – diese Ansätze ein: Fantasie oder unsere Zukunft? Wie nah sind wir dran?

Dittrich: Diese Technologie ist ganz klar der Weg in die Zukunft. Ohne das wird es nicht mehr gehen. Mindestens 80 Prozent dieser Technik wird ja bereits genutzt – gerade im Privatbereich, in der Kommunikation. Was derzeit grundsätzlich fehlt, ist der sogenannte „Translator“. Es gibt bisher keinen gemeinsamen Nenner für alle eingehenden Daten, deshalb muss vor allem an dieser übergeordneten Einheit gearbeitet werden. Die Hardware scheint alles möglich zu machen, doch die Technik im Hintergrund funktioniert noch nicht optimal. Selbst in der Kommunikationsbranche funktioniert die Technik nur innerhalb eines Systems. Systemübergreifend ist eine Kompatibilität auch hier nicht gegeben. Im Endeffekt reden wir über „independent Hardware“ und einen Softwarebereich in „virtuellen Welten“. Im Hardwarebereich sind meiner Meinung nach nur noch Nuancen zu entwickeln, um das Thema optimal konsumentenfreundlich zu nutzen. Im Handybereich sind wir schon sehr weit fortgeschritten. Auch im Bereich der Spielkonsolen ist viel passiert – Thema Gestensteuerung. All diese Möglichkeiten werden in der Industrie noch nicht genutzt. Aber das ist unsere Zukunft. Auf ein Thema möchte ich ganz deutlich hinweisen: Es ist enorm wichtig diese Technologie und ihre Möglichkeiten positiv und achtsam zu nutzen, denn sie birgt auch viele Gefahren, z.B. durch Kriminalität.

Allein die gezeigte futuristische Anmutung ist für uns alle faszinierend. Welche Vorteile sehen Sie, heruntergebrochen auf die ganz alltägliche Arbeitssituation, in der industriellen Produktion und Verpackung?

Dittrich: Jeder kann sich seine notwendigen Daten und Bedienelemente individuell zusammenstellen – wie die Apps auf seinem Handy. Das heißt, jeder baut sich seinen optimalen Arbeitsplatz und  hat damit die Möglichkeit auch optimale Leistungen zu erbringen.

Die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine spielt eine immer entscheidendere Rolle. Informationen aus der Maschine müssen, besonders in kritischen Betriebssituationen, schnell und eindeutig in verständliche Bedien- und Handlungsanweisungen umgesetzt werden. SmartGlass Maschinenverkleidung vs. Standard-Bediendisplay - welche Vorteile sehen Sie?

Dittrich: Bei der Smart Technology ist die Information immer da, wo die Störung auftritt. In der Sprache und in der Darstellung, die dem aktuellen Operator entspricht und an der Stelle wo er sie benötigt. Es müssen keine aufwändigen Einstellungen an einem entfernten zentralen Bedienelement vorgenommen werden. Das minimiert viel Verlustzeit und Fehlinterpretation – und damit schlussendlich Produktionsausfälle.
Ein Beispiel: Durch unser Bedienerleitsystem haben wir heute schon bis zu 30% weniger Ausfallzeiten in Nachtschichten. Der Bediener muss sich nicht erst lange orientieren und einlesen, sondern kann direkt an der Fehlerstelle eingreifen. Und das ist nur ein Schritt von vielen möglichen, die Bedienung zu optimieren und damit die Produktivität zu steigern.

Glasoberflächen bieten zusätzlich zur komfortablen Bedienung den Vorteil, dass sie wenig Verschmutzungsfläche haben und leicht zu reinigen sind. Das spielt in der produzierenden Industrie in vielen Bereichen eine Rolle. Welche Vorteile sehen Sie?

Dittrich: Glasoberflächen sind absolut hygienisch. Das spielt natürlich in den Branchen Lebensmittel, Kosmetik und Pharmazie eine große Rolle. Sie sind besser zu reinigen und  im Vergleich zu herkömmlicher Verschalung deutlich verschleißfreier (kein Verkratzen wie z.B. bei Lexan).
Glas kann sehr flexibel geformt werden. Die zur Bedienung genutzte Fläche kann zusätzlich Schall, Wärme und Vibration dämmen. Glas gibt jeder Darstellung eine klare Brillanz. Wir kennen die inzwischen realistischen Darstellungen aus der Handyindustrie. Das lässt sich auch in unserer Industrie nutzen.
Dem Nachteil, dass Glas splittern kann, kann entgegengewirkt werden. Durch spezielle Beschichtungen kann das Material absolut schlag- und splitterfest gemacht werden. Die Vielfalt der Bedien- und Beobachtungselemente lässt sich optimal in der SmartGlass Technologie umsetzen. Knöpfe, Schalter und Tasten aus der analogen Bedienung werden so in die digitale Welt transferiert. Und – sie sind frei positionierbar…

Die Kommunikationsbranche ist in diesem Bereich Vorreiter. Welche weiteren Branchen, Themen inspirieren Sie in Ihrer weiteren Entwicklungsarbeit?

Dittrich: Neuronale Netze, die selbstlernende Maschine, Robotertechnik – gerade im Roboterbereich ist das „Selbst Lernen“ schon weit verbreitet. Die Idee, dass eine Maschine selbst Korrekturmaßnahmen vornimmt und ständig dazu lernt, fasziniert und inspiriert mich sehr. Aber natürlich auch, wie schon gesagt, die Gestensteuerung der Computerspielindustrie. Und die  Automobilindustrie: Das autarke System wird das klassische Auto ersetzen. In 10 – 15 Jahren wird es das so nicht mehr geben…

Die Frage der Kosten drängt sich auf. Sind diese Technologien schon heute erschwinglich, so dass der Einsatz auch in stark preisumkämpften Märkten sinnvoll ist?

Dittrich: Nein. In der finalen Ausbaustufe ist es (zur Zeit) wirtschaftlich noch nicht sinnvoll. Aber man kann kleine Teilschritte auf dem Weg zum großen Ganzen machen. Das kann für Hersteller schon heute wirtschaftlich sehr attraktiv sein und viele Vorteile bringen.

Vorteile können zum Beispiel sein:

  • Eine planbare Produktion, die dem Produzenten einen bestimmten Output garantiert.
  • Eine Technik, die trotz mindergeschultem Personal eine hochwertige Produktion ermöglicht.
  • Internationale Wettbewerbsvorteile, da Sprachbarrieren und damit verbundene Komplikationen und Kosten entfallen bzw. minimiert werden.
  • Standortübergreifende Optimierungen

Das Thema Wirtschaftlichkeit kann sich auch sehr schnell ändern. Wer hätte gedacht, dass Smartphones so schnell für alle verfügbar und finanzierbar sind?

Sie beschäftigen sich bereits seit einiger Zeit mit diesem Thema im Bereich der industriellen Nutzung. Im August 2016 präsentierten Sie eine erste emkon. Maschine mit einem SmartGlass-Bedienpanel, das gleichzeitig Maschinentür ist. Wie geht es weiter?

Dittrich: Unser Ziel ist es, in naher Zukunft eine Smarttechnologie zu zeigen, die Individualisierung, Bedienkomfort und Selbstlernmodi in Vernetzung mehrerer Maschinen beinhaltet. Eine Smarttechnologie, die sich individuell auf den Bediener (z.B. auf seine Größe, seine Vorlieben) einstellt und ihm gemäß Wissensstand, entsprechende Hilfestellungen gibt. Im Jahr 2020 wollen wir eine komplette Smart-Linie in Produktion haben. Bis dahin werden wir viele Teilschritte testen und implementieren. Die Grundlagen für diese Technologie bietet uns die seit 2000 gelebte modulare emkon. Technik. Diese Vision des Maschinenbaus besteht seit emkon. Gründung. Für uns ist ganz klar, dass dies der richtige Weg zum großen Ziel ist.

Herr Dittrich, vielen Dank für das Gespräch.

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